Gedichte Trinken


Gedichte - Trinken

Sammlung an Gedichten mit Bezug zur Tätigkeit Trinken für Leserunden und Gedächtniseinheiten.

 

Trunken müssen wir alle sein!
Jugend ist Trunkenheit ohne Wein;
Trinkt sich das Alter wieder zu Jugend,
So ist es wundervolle Tugend.
Für Sorgen sorgt das liebe Leben,
Und Sorgenbrecher sind die Reben.

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

 

Ein trunkner Dichter leerte,
sein Glas um jeden Zug.
Ihn warnte sein Gefährte:
"Paß auf, Du hast genug."
Und jener sprach im Sinken:
"Mein Freund, Du bist nicht klug.
Zuviel kann man wohl trinken,
doch nie trinkt man genug."

Gotthold Ephraim Lessing

 

 

 

 

So lang man nüchtern ist

So lang man nüchtern ist,
Gefällt das Schlechte;
Wie man getrunken hat,
Weiß man das Rechte;
Nur ist das Übermaß
Auch gleich zu handen:
Hafis, o lehre mich,
Wie du's verstanden!
Denn meine Meinung ist
Nicht übertreiben:
Wenn man nicht trinken kann,
Soll man nicht lieben;
Doch sollt ihr Trinker euch
Nicht besser dünken:
Wenn man nicht lieben kann,
Soll man nicht trinken.

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

Das Gelage

Kränze laßt uns, Rosenkränze,
Jetzt um unsre Schläfe winden,
Trinken unter milden Scherzen!
Einen Thyrsos in den Händen,
Welchen Efeulaub umrauschet,
Soll die Tänzerin den feinen
Fuß im Takt der Laute haben;
Und ein weichgelockter Knabe
Lasse seine würz'gen Lippen
Zu dem Saitenklang der Pektis
Herrlich von Gesange schwellen.
Eros selbst im goldnen Haarschmuck,
Mit dem schönen Gott Lyäos,
Mit der holden Kythereia,
kommt, des Schmauses Lust zu teilen,
Dessen sich die Greise freuen.

Anakreon

 

 

 

Auf Brüder...

Auf Brüder, laßt uns trinken!
Was warten auf die Nacht!
Schon ist der Tag im Sinken -
Her, was uns fröhlich macht!
Her den vollen, den schäumenden Becher,
Den Freudebringer, den Sorgenbrecher,
Her mit dem Wein,
Bruder, schenk ein,
Laßt uns trinken und fröhlich sein!

Bakchos hat ihn gegeben,
Daß er uns Tröster sei.
Von allem, was das Leben
Bedrückt, macht er uns frei.
Drum her den vollen, den schäumenden Becher,
Den Freudebringer, den Sorgenbrecher,
Her mit dem Wein,
Bruder, schenk ein,
Schenkt mir ein Glas ums andere ein!

Alkäos

 

 

 

Beim Weine

Gebt mir des Homeros Leier,
Aber ohne blutge Saiten!
Gebt den Becher, um gehörig
Nach dem Trinkgesetz zu mischen;
Daß ich trunken möge tanzen
Und, noch klug genug im Taumel,
Zu dem Barbiton ein Trinklied
Mir gewaltger Stimme singen.
Gebt mir des Homeros Leier,
Aber ohne blutge Saiten!

Basilius der Große

 

 

 

Frühlingstrunk

Seht, o seht, geliebte Brüder,
Lenz und Blumen kehren wieder,
Jauchzeit ihrer Wiederkehr!
Gebt mir gleich aus diesem Fasse
Von dem honigsüßen Nasse.
Hurtig! einen Becher her!

Alkäos

 

 

Der alte Trinker

Alt bin ich zwar, doch trink ich
Trotz einem Jüngling wacker;
Und wenn es gilt zu tanzen,
Mach ich in meinem Chore
Den tanzenden Seilenos,
Nehme den Schlauch zum Stabe.

Gebt mir mit euren Stecken!
Hat einer Lust zu kämpfen,
Der kämpfe meinetwegen.
Auf! Bringe mir, o Knabe,
Gemischt mit honigsüßem
Weine den vollen Becher!

Alt bin ich zwar, doch trink ich
Trotz einem Jüngling wacker.

Anakreon

 

 

 

Snuhigi-Song

Der erste Tag, der machte es:
Da las ich vor. Rings lachte es.
Graf Mongschupi,
Wie schön sind Sie!
Mein lieber Freund in Dotrto,
Herr Börries, war ebenso.
Mein Gott, wie ist der Mensch gleich froh,
Wenn er ein wenig voll is'.
Graf Mongpischu
Wie schön pist tu,
Heil Dir! Sis mihi mollis.

Joachim Ringelnatz

 

 

Der Trinker

Seht den jungen Bacchus an!
Seht doch, wie er trinken kann!
Seht, die Augen, die Gebärden
Sollen unsre Muster werden,
Wenn die Gläser voll von Wein
Aug und Herz und Geist erfreun.

Treue Brüder, laßt euch raten!
Tut doch, was die Alten taten,
Gebt Verdiensten ihren Lohn,
Krönet diesen Bacchussohn,
Daß die Tugend auf der Erde
Lieblicher erkennet werde!

Der noch keinen Trunk vermieden,
Der sich selbst dazu beschieden,
Den kein voller Römer schreckt,
Dem der Wein am besten schmeckt,
Brüder, der verdient zum Lohne
Seiner Tugend eine Krone!

Brüder, seht den Bruder an,
Wie der Bruder trinken kann!
Ihn von allen Bacchussöhnen
Müssen wir zum König krönen!
Brüder, König muß er sein,
Seht, er schenkt schon wieder ein!

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

 

 

 

Ein Heller und ein Batzen,
die waren beide mein, ja, mein.
Der Heller ward zu Wasser,
der Batzen ward zu Wein, ja Wein.

Die Wirtsleut' und die Mädel,
die rufen beid':"O weh, o weh!"
Die Wirtsleut' wenn ich komme,
die Mädel, wenn ich geh', ja geh'.

Mein Strümpf', die sind zerrissen,
mein Stiefel sind entzwei
und draußen auf der Heide,
da singt der Vogel frei.

Und gäb's kein Landstraß' nirgends,
so blieb ich still zuhaus
und gäb's kein Loch im Fasse,
so tränk ich gar nicht draus.

Das war 'ne rechte Freude,
als mich der Herrgott schuf,
'nen Kerl wie Samt und Seide,
nur schade, daß er suff.

Albert Graf Schlippenbach

 

 

Trinklied

Der weise Diogenes war
Liebhaber ambrosischer Klarheit,
Und sang in der zechenden Schar:
Trinkt, Brüder! im Wein ist die Wahrheit!
Und kam er betrunken vom Schmaus,
Dann wählte der Alte, so heißt es,
Ein lediges Oxhoft* zum Haus,
Und freute sich atmend des Geistes.

*alter Flüssigkeitsmeßbecher

Johann Heinrich Voß

 

 

Viel Essen macht viel breiter
Und hilft zum Himmel nicht;
Es kracht die Himmelsleiter,
Kommt so ein schwerer Wicht.
Das Trinken ist gescheiter,
Das schmeckt schon nach Idee,
Da braucht man keine Leiter,
Das geht gleich in die Höh'.

Viel Reden ist manierlich:
"Wohlauf?" - Ein wenig flau. -
"Das Wetter ist spazierlich."
Was macht die liebe Frau? -
"Ich danke" - und so weiter,
Und breiter als ein See.
Das Singen ist gescheiter,
Das geht gleich in die Höh.

Die Fisch und Musikanten
Die trinken beide frisch,
Die Wein, die andern Wasser –
Drum hat der dumme Fisch
Statt Flügel Flederwische
Und liegt elend im See –
Doch wir sind keine Fische,
Das geht gleich in die Höh.

Ja, Trinken frisch und Singen
Das bricht durch alles Weh,
Das sind zwei gute Schwingen,
Gemeine Welt, ade!
Du Erd' mit deinem Plunder,
Ihr Fische samt der See,
's geht alles, alles unter,
Wir aber in die Höh!

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff

 

 

 

 

Mein Esel

Mein Esel sicherlich
Muß klüger sein als ich.
Ja, klüger muß er sein!
Er fand sich selbst in Stall hinein
Und kam doch von der Tränke.
Man denke!

Gotthold Ephraim Lessing

 

 

 

Füllt mir das Trinkhorn!
Reicht es herum!
Trinken macht weise,
Fasten macht dumm!

Was ist das Athmen?
Ein Trinken von Luft –
Was ist das Riechen?
Ein Trinken von Duft!

Was ist ein Kuß als
Ein doppelter Trank?
Trinken macht selig,
Fasten macht krank!

Was ist das Sehen?
Ein Trinken des Scheins –
Klingt's auch verschieden,
Bleibt es doch Eins!

Füllt mir das Trinkhorn!
Reicht es herum!
Trinken macht weise,
Fasten macht dumm!

Friedrich Martin von Bodenstedt

 

 


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